Erkenntnis und Meditation

Was meint Erkenntnis? Was soll denn erkannt werden? Der Begriff Meditation kommt vom lateinischen meditatio, zu meditari "nachdenken, nachsinnen, überlegen". Und da wir über uns selbst nachdenken können, gibt es offensichtlich einen Unterschied zwischen dem Erkennenden (das Ich, das Subjekt) und dem Erkannten (die Charaktereigenschaften und Gefühle, das Objekt). Alles was wir durch unsere Sinne wahrnehmen können, ist demnach etwas außerhalb von uns. Die Selbsterkenntnis bezieht sich hier also auf etwas, das vom Ich noch getrennt ist.

Selbsterkenntnis oder Der Weg zur Erkenntnis

Selbsterkenntnis beschreibt einen Prozess, der die Dualität von Subjekt und Objekt anerkennt und alles Wahrnehmbare als etwas notwendig "Äußeres" definiert. Notwendig deshalb, weil sich das Selbst, der Wahrnehmende, über Gegenstände und Erkenntnisorgane überhaupt erst als reines Erkennen erfahren kann. Ohne das eine kann das andere nicht auftauchen. Gewissermaßen erschaffen wir uns selbst eine Täuschung (das Verwechseln von Wahrgenommenem und Wahrnehmendem), damit wir dann wieder unser Selbst erkennen können. Sozusagen ein iterativer Selbsterkenntnisprozess, was gleichbedeutend ist mit "erwachen". Erwachen zum reinen Bewusstsein. Und reines Bewusstsein ist die Quelle unserer Gedanken und Gefühle.

Dann können diese Wahrnehmungen gezielt reduziert werden. Ohne die Unterscheidung von Wahrgenommenem und Wahrnehmendem wäre das nicht möglich gewesen. Soweit die Theorie.

Was meint nun Erkenntnis? Zusammenfassend könnte man sagen: Der Hatha und Raja Yoga sind Methoden, mit Körperarbeit (asana, pranayama) und ganz konkret durch Meditation, nach Innen zu gehen, um so das wahre Selbst, das reine Bewusstsein, Gott, den eigenen inneren Kern, unsere wahre Natur wieder zu erkennen. Den Kern, den wir im Laufe unseres Erwachsenwerdens vergessen haben. Wir wollen wieder erkennen, dass wir Eins mit Gott sind. Yoga heißt auch "Eins werden, verbinden". Das Erwachen aus der bestimmenden Welt der Gedanken, die uns als getrennte Wesen empfinden lassen. Getrennt von unserem Herzen, von anderen Menschen, von Gott. Yoga verbindet Kopf und Bauch, Geist und Herz.

Viele Worte - wenig Herz. Das Erfahren dessen, was hier so mühsam versucht wird zu beschreiben, ist viel Wichtiger. Letztlich braucht es praktisch nicht viel. Sogar weder Yoga noch irgendeine andere spirituelle Idee. Es braucht das Wollen. Das Wollen, nach Hause zu kommen: Augen schließen, zur Ruhe kommen, Stille spüren. Sein. Deine Angst vor der Stille bereitet den Raum, in dem Liebe auftauchen kann. Wo Liebe ist, ist Verbindung. Wo Verbundenheit ist, ist Liebe.