Wie wirkt Yoga?

Prajnana Yoga orientiert sich an traditionellem Hatha Yoga und Raja Yoga. Hatha Yoga ist ein ganzheitlicher, vielseitiger Weg zur Entwicklung des Menschen. Körper, Geist und Seele sind im Menschen untrennbar verbunden. Raja Yoga - der königliche Yoga - betont als rationale Wissenschaft mehr die psychologische Seite des Menschen. Körperliche Gesundheit, geistiges Wachstum, emotionale und seelische Erfüllung - dies alles kann mit Yoga im Alltag Realität werden. Hatha Yoga und Raja Yoga bilden die Basis für die meisten der uns bekannten Yoga-Formen. Eine Vielzahl spannender Körperübungen unterstützt uns dabei, uns wieder zu spüren, uns wahrzunehmen, sozusagen den Kopf mit dem Bauch zu verbinden.

"Warum sollte ich das denn machen?", wirst Du Dich vielleicht fragen. Wobei das "Warum" eher ein "Wofür" ist. Und die Antwort auf dieses "Wofür" spürst Du während Du übst. Und das bestimmt schon ganz am Anfang Deiner Meditationskarriere. Allmählich werden dann die Phasen der Konzentration länger und es gelingt Dir, immer fester Deine Aufmerksamkeit zu halten, Dein Bewusstsein gewinnt gewissermaßen Oberhand.

Wenn man hier noch etwas weiter denken möchte, kommt man an Patanjali, dem indischen Gelehrten und Verfasser der 2000 Jahre alten „Yoga-Sutra“ nicht vorbei. Der Yoga-Sutra ist ein stark komprimierter Text  und gilt als der Leitfaden des Raja Yoga (Sutra = Faden).

Meiner Vermutung nach war Patanjali nicht nur ein Gelehrter, sondern selbst ein Yogi, da er wahrscheinlich sonst nicht an das tradierte Wissen der Yogis gekommen wäre. Üblicherweise lebten die Aspiranten viele Jahre bei den weisen Yogis, die sie so mündlich und durch den gelebten Alltag in ihr Wissen über Yoga einweihten.

Aufgeschrieben wurde zu dieser Zeit eher wenig. Insofern stellen die Sutra keine theoretische Abhandlung eines Gelehrten dar, sondern spiegeln eine über Jahrhunderte mündlich überlieferte Yogapraxis wider. Vielleicht hat der Yogi Patanjali die Sutra einfach als „Gedankenstütze“ für sich selbst notiert - in möglichst kurzer Form, einem Spickzettel gleich...?

Yoga ist das zur Ruhekommen der Gedanken im Geiste.

Dies besagt jedenfalls der zweite Vers der Yoga-Sutra. Patanjali beginnt in den Sutra immer mit dem Wichtigsten. So folgen weitere rund 190 Verse, die das Warum und Wie des Zur-Ruhe-Kommens im Detail erläutern. Hier wird auch deutlich, dass es aus Sicht des Raja Yoga um die Entwicklung und Beherrschung des Geistes geht – und das über das Mittel der Meditation. Die im Hatha Yoga im Vordergrund stehende und oben erwähnte Körperarbeit ist hierfür nur Mittel zum Zweck: asana machen den Körper geschmeidig – für das lange Sitzen in der Meditation; pranayama stärkt und lenkt der Fluss der Energie (prana) – die intensive Konzentration auf die Vorgänge der Atmung und die bewusst ausgeführten Atemtechniken können die Prozesse des Bewusstseins und die Erkenntnisfähigkeit beeinflussen.

Durch die bewusste Konzentration auf die Atemvorgänge bzw. die bewusste Steuerung der Atmung, beruhigt sich nach und nach der Fluss der Energie (prana). Dann erlebt man an sich selbst, wie dadurch auch die Gedanken im Geist stiller werden. Und wenn die Gedanken im Geist stiller werden, wird die Fokussierung auf die Atemvorgänge noch besser möglich und tiefer - und somit der Geist noch ruhiger…