Asana – Die Meditationshaltung

Der Begriff Asana - Die Meditationshaltung meint im Raja Yoga des Patanjali die reine Sitzhaltung. Er bezieht sich also nicht auf die unzähligen physischen Übungen, die oft den Schwerpunkt der Yogaklassen ausmachen. Zu den asana sagt Patanjali sehr wenig. Nur drei Sutra verwendet er, um alles ihm wichtige mitzuteilen (II, 46-48): Die Haltung (asana) soll stabil und angenehm sein (46). Sie entsteht aus entspanntem Bemühen und durch geistiges Sichversenken über das Unendliche (47). So entwickelt sich die Unabhängigkeit von der dualen Welt (47).

Der praktisch orientierte Hatha Yoga (beschrieben in der Hatha Yoga Pradipika) ist dagegen erst einmal Körperarbeit. Dort werden immerhin mindestens 84 asana beschrieben. Durch die asana wird freie Fließen der Energie verbessert, die Tätigkeit der Drüsen im Körper gestärkt und die Chakras aktiviert (Energiezentren entlang der Wirbelsäule). Die asana

  • bereiten den Körper vor für das Sitzen in der Meditation (Asana - Die Meditationshaltung!)
  • beseitigen Blockaden und machen den Körper durchlässiger – physisch, psychisch und energetisch (in den kosha)
  • reinigen die Energiekanäle (nadis)
  • erhöhen die Lebensenergie im Körper (prana)
  • unterstützen das Erwecken und Fließen des schlafenden Bewusstseins-Potenzials (kundalini)
  • kräftigen den Körper (auch um die erhöhten Energieströme der kundalini ertragen zu können).

Über die Körperarbeit - bestehend aus den asana (Körperstellungen, Dehn- und Drehübungen), pranayama (Lenkung der Energie über bewusstes Atmen) und Meditation (Konzentration) – wird das ganze System harmonisiert, der Körper wird gesund, kräftig und flexibel und das Bewusstsein erweitert.

Ein weiterer entscheidender Gedanke in Bezug auf die Definition von asana kommt von seinen etymologischen Wurzeln. Das Wort asana ist von der Wurzel as bhuvi  abgeleitet, was "sein" bedeutet. Diese Definition ist für alle Praktizierenden von asana von Bedeutung, da sie einen Zustand des Seins und nicht eine Handlung beschreibt. (Dr. Kausthub Desikachar, The Heart of Asana, 2012, Seite 45)

Asana - Die Meditationshaltung im Sinne des Patanjali und des Raja Yoga meint mit stabiler Sitzhaltung sicher auch - ganz menschlich - das bequeme Sitzen, allerdings wohl mehr ein entspanntes, bewegungsloses, kontemplatives Sitzen, so dass keine aktive Kontrolle mehr durch den Geist erforderlich ist.

Im Raja Yoga geht es im Schwerpunkt um die Erweiterung des Bewusstseins – allerdings weniger über körperliche Mittel und Methoden, sondern durch die willentliche Kontrolle der Aktivitäten des Verstandes und allmählicher bewusster Steuerung der citta-vrttis. Im Prinzip es darum, alle Störungen, die vom Körper und Geist ausgehen, zu vermeiden oder zu unterdrücken. Das Üben von asana in Sinne der Hatha Yoga Pradipika verfolgte im Raja Yoga nur ein klares Ziel: den Körper kräftigen, gesund erhalten usw., damit er die Psyche möglichst wenig beeinflusst!

Pranayama – Ausdehnung und Lenkung der Lebensenergie